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Versicherung über Sprachassistenten abschließen?

Versicherung über Sprachassistenten abschließen?

Immer mehr Versicherer gehen neuen Wege und bieten den Abschluss von Versicherungen auch über einen Sprachassistenten an. Insbesondere wenig komplexe Versicherungen wie eine Haftpflichtversicherung, Hausratversicherung oder auch Kfz-Versicherung können bereits über Siri oder Alexa abgeschlossen werden. Jedoch bringt der Abschluss einer Versicherung auch Risiken mit sich. Die Vor- und Nachteile beim Abschluss einer Versicherung über einen Sprachassistenten stellen wir Ihnen in diesem Artikel vor.

Vertrauen in Sprachassistenten bis hin zum Versicherungsabschluss?

Die Digitalisierung und die immer weiter verbesserte und innovative Technik hat längst das Leben von fast jedem erreicht und für zahlreiche Veränderungen und dabei vor allem auch zu vielen Vereinfachungen und komfortableren Aktivitäten gesorgt. Ein großartiges und immer mehr an Beliebtheit gewinnendes Thema ist dabei ohne Frage das der Sprachsteuerung und Sprachassistenten wie Siri oder Alexa. Das Wünschen von Musik, das schreiben lassen von Nachrichten, die Frage nach dem Wetter oder aktuellen Nachrichten und mittlerweile immer häufiger auch die Aufforderung, Lampen oder andere elektrische Geräte zu steuern bzw. ein- und auszuschalten wird fast schon zur Tagesordnung.

Dieses alltägliche Nutzen solcher Techniken hat Adcubum, einen Hersteller von Versicherungssoftware aus der Schweiz, dazu gebracht, eine für die Bevölkerung repräsentative Umfrage in Auftrag zu geben, die 1.000 Bundesbürgern befragte und dabei Fragen zu dem Thema „Digitale Versicherung 2018“ stellte.

Meinungen zur digitalen Versicherung

Die Umfrage sollte vor allem Aufschluss darüber geben, wie weit die Bereitschaft in der Bevölkerung schon ist, sich dem Thema der digitalen Versicherung zu widmen und entsprechend auch Versicherungen nichtmehr auf dem herkömmlichen, sondern auch auf digitalen Wegen abzuschließen.

Die schon seit längerer Zeit zur Debatte stehende Variante der Online-Abschlüsse von Versicherungsverträgen erfreut sich dabei schon einer sehr hohen Beliebtheit oder zumindest Akzeptanz. So können es sich 57 Prozent der bei dieser Umfrage befragten Personen sehr gut vorstellen, online eine Versicherung abzuschließen. Dabei fällt sofort ins Auge, dass es vor allem die üblichen Versicherungen wie Haftpflicht-, Hausrat– und Kfz-Versicherung sind, die bei den Befragten als Online-Versicherung in Frage kommen.

Zwei Drittel der Personen haben solche Abschlüsse im Internet auch schon getätigt und zeigen sich dabei als sehr zufrieden. Aufbauend auf diese online akzeptierten Versicherungsabschlüsse ging die Umfrage dann auch einen Schritt weiter und wollte wissen, wie die Befragten zu der Möglichkeit stehen, solche Verträge auch über einen Sprachassistenten abschließen zu lassen. Auf den ersten Blick überraschend, aber aufgrund der Digitalisierung der letzten Jahre auch wieder nicht verwunderlich können sich 12 Prozent der Befragten tatsächlich schon einen Versicherungsabschluss über einen Sprachassistenten vorstellen. Unter den 18 bis 34 Jahre alten Befragten ist es sogar für 18 Prozent vorstellbar. Weitere 24 Prozent sind begeistert von den Sprachassistenten, können sich aber noch nicht vorstellen, auch Versicherungsprodukte darüber abzuschließen, das Interesse an sich lässt aber vermuten, dass die Tendenz immer weiter zu einer hohen Akzeptanz führen wird.

Mögliche Umsetzungsmöglichkeiten

Die Idee, die Sprachassistenten auch für den Abschluss für Versicherungen einzusetzen, kommt ohne Frage von der immer größer werdenden Präsenz und von der Integration ins alltägliche Leben und in das Wohnumfeld der potentiellen Versicherungsnehmer. So werden die Sprachassistenten verstärkt auch genutzt, um nach bestimmten Artikeln im Internet zu suchen und was wäre da naheliegender, nicht nur den kauf eines solch gesuchten Objektes, sondern gleichzeitig auch dessen Versicherung über den Sprachassistenten abzuwickeln, was letztendlich für den Versicherer ein schnelles Geschäft und für den Versicherungsnehmer ein einfacher Weg zum benötigten Schutz bedeuten würde.

So könnte mit dem Kauf eines Autos sofort nach der entsprechenden KFZ-Versicherung gesucht oder diese auch sofort abgeschlossen werden. Die Buchung einer Reise könnte sofort mit der entsprechenden Reisekrankenversicherung verbunden werden und wenn über den Sprachassistenten ein hochwertiges Detail für den Haushalt angeschafft wird, könnt der Sprachassistent auch sofort prüfen, ob die Erweiterung der Hausratversicherung sinnvoll oder auch unausweichlich ist.

Unterschieden wird bei den Varianten der Einbindung des Sprachassistenten also zum einen zwischen den Suchanfragen, die aktiv an Siri, Alexa & Co herangetragen werden, und zum anderen den selbstständig durch den Sprachassistent erkannten Versicherungsbedarf. Hier dürfte die Skepsis bei den Nutzern wohl noch sehr große Unterschiede aufweisen. Schließlich ist es etwas anderes, nach einer Versicherung zu fragen als unaufgefordert eine angeboten zu bekommen.

Die Pläne gehen sogar so weit, dass darüber nachgedacht wird, Sprachassistenten mit einer Art Prokura auszustatten, sodass wie im Beispiel der Anschaffung neuer Gegenstände die Hausratversicherung selbstständig erweitert wird. Hier dürfte es bei vielen Menschen noch mehr Bedenken geben, weil man selbst nicht mehr den Auftrag gibt, sondern quasi auch die eigene Entscheidung an den Sprachassistenten übertragen würde.

Bedenken rund um die Sprachassistenten-Versicherung

Die ersten Bedenken rund um Versicherungen entstehen schon alleine durch die sowieso immer bestehenden Bedenken in diesem Geschäft, die auch dazu geführt haben, dass die neue EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD ins Leben gerufen wurde. Mehr Sicherheit für die Kunden, mehr und umfassende Beratungspflichten, die den Versicherern auferlegt werden sind nur Beispiele, dass sehr viel höhere Ansprüche an eine optimale und akzeptable Versicherungsvermittlung gestellt werden. Diese Auflagen bei der Beratung gelten dann natürlich auch für den Abschluss von Versicherungen im World Wide Web und selbstverständlich auch für den anvisierten Abschluss über die Sprachassistenten.

Während die Online-Versicherer auf ihren Plattformen im World Wide Web ohne Weiteres eine dokumentierbare Abfrage des persönlichen Bedarfs und eine demzufolge optimale Beratung nachstellen können, stellt es sich im Zusammenhang mit dem Sprachassistenten noch als Problem dar, sämtliche Haftungs- und Beratungsverpflichtungen zu klären. Besonders schwierig ist es dabei noch, den optimalen Dialog zwischen Verbraucher und Sprachassistent abzubilden.

Hierfür müsste das System eine Vielzahl unterschiedlicher Bedürfnisse installiert haben und kennen, um kundenorientiert handeln zu können. Zudem müssen bei den Versicherern die entsprechend notwendigen Zahlungssysteme installiert werden, um nicht nur den Abschluss, sondern auch die Zahlung der Beiträge abwickeln zu können. Weitere Bedenken gibt es aus einem ganz anderen Grund, denn die Versicherungsbranche bzw. die Vermittler an sich befürchten, ihren Stellenwert einzubüßen, wenn neben dem Internet jetzt auch noch der Sprachassistent zu einem weiteren Konkurrenten in der Kundengewinnung wird.

Pläne der verschiedenen Versicherer

Trotz dieser Bedenken gibt es schon einige Versicherer, die mit der Zeit und den Weg mit dem Sprachassistenten gehen wollen. Allen voran ist dabei die Deutsche Familienversicherung (DFV) zu nennen. Dadurch dass Amazon nun die Bezahlfunktion Amazon Pay in die Sprachbox integriert hat, möchte die DFV nun eine Auslandsversicherung anbieten, die der Kunde per Zuruf von Alexa abschließen lassen kann. Folgen sollen dann eine Standard-Haftpflichtversicherung und eine Zahnzusatzversicherung.

Auch die Ergo Versicherung bietet mit der Bezahlfunktion Amazon Pay eine Reisekrankenversicherung an, die über Alexa abgeschlossen werden kann. Auch die Allianz versucht neue Wege zu gehen, um vor allem junge Kunden für sich zu gewinnen. Gleichzeitig bleibt es aber auch nicht aus, dass es weitere skeptische Meinungen gibt. So trifft der Chef von Generali Deutschland die verständliche Aussage, dass Alexa überschätzt wird und keinen Berater ersetzen kann und dass die Benutzer keinesfalls Alexa vertrauen, sondern wenn überhaupt dann den Personen, die hinter der Programmierung stecken.

Man kann also auf der einen Seite gespannt auf die Lösungen der Versicherer sein und gleichzeitig auch darauf, wie sich diese neue Art der Versicherungsvermittlung durchsetzen wird. Denn es bleibt abzuwarten, ob das Vertrauen über ein- oder ausgeschaltetes Licht nicht doch ein anderes ist, als dem Sprachassistenten direkte finanzielle Transaktionen anzuvertrauen. Die Möglichkeit ist sicher keine schlechte, bedarf aber noch vieler zu klärender Details, um die Akzeptanz in der Bevölkerung auf mehr als die abgefragten 18 Prozent zu steigern.

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